Auswandern nach Norwegen


Skandinavien >>> Specials >>> Auswandern nach Norwegen

Die Norweger gehören zu den glĂŒcklichsten Menschen der Welt und der Wohlstandsindex ist der höchste aller LĂ€nder. Zusammen mit der beeindruckenden Natur, dem guten Schulsystem und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind das sehr gute Argumente, um nach Norwegen auszuwandern. Doch was ist zu tun, wenn der Traum in die RealitĂ€t umgesetzt werden soll? Hier sollen die wichtigsten Schritte dazu erlĂ€utert werden.

ZunĂ€chst einmal sollte man in einer ruhigen Stunde in sich gehen und darĂŒber nachdenken, ob Auswandern wirklich das Richtige ist. Vielleicht ist ein Praktikum, ein Sabbatical, ein Auslandssemester, ein Forschungsaufenthalt, ein Au-Pair-Aufenthalt oder einfach eine lĂ€ngere Reise eher das, wonach man sucht? Eine Auswanderung vorzubereiten und tatsĂ€chlich auch durchzufĂŒhren ist ein langwieriges und nicht ganz einfaches Vorhaben - doch es kann sich lohnen!

Informationen und Erfahrungen sammeln


ZunĂ€chst ist es wichtig, so viele Informationen ĂŒber seine neue Wunschheimat zu sammeln wie möglich. Urlaube sind zwar schön und gut, sie vermitteln aber kaum einen Eindruck vom Alltag im Land und wie es ist, dort dauerhaft zu leben, nicht nur in der schönsten Zeit des Jahres. Das Internet hilft natĂŒrlich ungemein weiter, in Foren, auf den offiziellen Seiten der StĂ€dte und Gemeinden und durch Blogs kann man viel erfahren. Optimal ist es, wenn man schon einige einheimische Norweger kennengelernt hat, die Informationen aus erster Hand geben können. Das alles ist wichtig, um informierte Entscheidungen ĂŒber sein zukĂŒnftiges Leben treffen zu können, denn Auswandern ist viel mehr als nur ein verlĂ€ngerter Urlaub!

Sprache lernen


Viele Norweger sprechen Englisch und so kann man sich recht gut verstĂ€ndigen. Norwegische Sprachkenntnisse sind jedoch unbedingt notwendig, um sich dauerhaft zu integrieren und wohlzufĂŒhlen, denn nur wenn man unbeschwert mit anderen Leuten kommunizieren kann, fĂŒhlt man sich auch wohl.

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten die Norwegisch zu lernen. Zum Einstieg kann man sich in der örtlichen StadtbĂŒcherei kostenlos Lernsoftware und BĂŒcher ausleihen, um die ersten Wörter und SĂ€tze zu lernen. Im Internet gibt es auch zahlreiche kostenlose und kostenpflichtige Angebote, um erste Erfahrungen zu sammeln. Der nĂ€chste Schritt ist der Besuch eines Kurses in der Volkshochschule. Dort kann man fĂŒr relativ wenig Geld einmal wöchentlich Übungen besuchen und kann sich so ĂŒber mehrere Wochen eine solide Grundlage schaffen, die einem schon viel weiterhilft. Der Vorteil der Volkshochschule ist, dass die Kurse oft abends oder am Wochenende stattfinden und sie sich gut in den Alltag integrieren lassen. DafĂŒr dauert es seine Zeit, bis sich die Sprachkenntnisse aufgebaut haben. Teurer, aber dafĂŒr kompakt sind Kurse bei Sprachschulen. Dort kann man in kurzer Zeit einen guten Lerneffekt erzielen. Wichtig ist es, die Sprache aktiv anzuwenden und sich am besten tĂ€glich damit zu beschĂ€ftigen. Ein Tipp fĂŒr Leute, die schon die Grundlagen des Norwegischen beherrschen, ist es, sich die Seite einer norwegischen Tageszeitung als Startseite am Computer einzurichten. So lernt man, die verschiedensten Texte zu lesen und bekommt gleich noch das aktuelle Geschehen im Lieblingsland mit. Über das Internet kann man auch norwegische Radiosender empfangen und damit sein HörverstĂ€ndnis verbessern. In Norwegen selbst gibt es auch Volkshochschulen und andere Einrichtungen, die Sprachkurse fĂŒr AuslĂ€nder anbieten. Manche Arbeitgeber zahlen ihren auslĂ€ndischen Mitarbeitern auch Kurse bei Sprachschulen, bei denen man recht schnell Fortschritte machen kann.

Bis man so gut Norwegisch spricht, dass man praktisch alles verstehen und sagen kann, vergehen durchaus zwei Jahre oder mehr. Man braucht keine Hemmungen zu haben, seine Sprachkenntnisse einfach anzuwenden, niemand nimmt es einem ĂŒbel, wenn man Fehler macht. Die Norweger freuen sich vielmehr, wenn jemand versucht, ihre nicht ganz einfache Sprache zu lernen.

Aufenthaltserlaubnis, Arbeitserlaubnis, StaatsbĂŒrgerschaft


FĂŒr die Einreise nach Norwegen ist ein deutscher Personalausweis zunĂ€chst ausreichend. Ein Reisepass wĂ€re jedoch besser, wenn man den Kontakt mit Behörden sucht, den diese erkennen den Personalausweis oft nicht an. Jedes Kind, welches mitreist, braucht dann auch einen eigenen Reisepass, der Eintrag in den elterlichen Pass reicht nicht.

Wer sich als AuslĂ€nder mehr als 90 Tage in Norwegen aufhalten möchte, braucht eine Aufenthaltserlaubnis. Der Antrag sollte am besten schon kurz nach der Einreise bei der örtlichen Polizeidienststelle gestellt werden. Wer in Norwegen arbeiten möchte, braucht selbst dann eine Aufenthaltserlaubnis, wenn er oder sie weniger als 90 Tage dort bleibt. Diese Erlaubnis muss beim Norwegischen Zentralamt fĂŒr AuslĂ€nderfragen (Utlendingsdirektoratet, UDI) gestellt werden. Auf der Internetseite der Behörde unter http://www.udi.no/Norwegian-Directorate-of-Immigration/ werden Informationen auch in deutscher Sprache zur VerfĂŒgung gestellt und man kann sein Gesuch online registrieren. Nach der Registrierung bekommt man einen Termin bei einer örtlichen Polizeidienststelle oder bei einem Konsulat, um die notwendigen Unterlagen einzureichen. Auch bei der norwegischen Botschaft in Deutschland, in Berlin, kann ein Antrag fĂŒr eine Aufenthaltserlaubnis gestellt werden. Zu beachten ist, dass fĂŒr Dokumente in deutscher Sprache eine englische oder norwegische Übersetzung vorgelegt werden muss, sonst kann der Antrag nicht bearbeitet werden.

Es gibt verschiedene Arten der Aufenthaltsgenehmigung, grundsĂ€tzlich unterschieden werden die fĂŒr FachkrĂ€fte und die fĂŒr ungelernte KrĂ€fte. Es macht auch einen Unterschied, ob man bereits eine Arbeitsstelle in Aussicht hat oder nicht. Wer zwar eine Fachkraft mit einem gelernten Beruf ist, aber noch keine Arbeit hat, bekommt sechs Monate Zeit, um sich im Land eine Arbeit zu suchen. Ein Nachweis, dass man genug eigenes Geld hat, um diese Zeit zu ĂŒberbrĂŒcken, muss geliefert werden. FĂŒr Studenten, Angestellte von Non-Profit-Organisationen und Forscher gelten ebenfalls eigene Bedingungen, ĂŒber die man sich auf der oben genannten Seite im Detail informieren kann. Die Dauer der Aufenthaltserlaubnis hĂ€ngt von der Art der Arbeit bzw. BeschĂ€ftigung ab, der man in Norwegen nachgehen möchte. Vor Ablauf der Bewilligungsdauer kann in der Regel ein neuer Antrag gestellt werden.

Die Voraussetzungen fĂŒr eine permanente Aufenthaltserlaubnis, die nicht erneuert werden muss, sind folgende:

- Kontinuierlicher Aufenthalt ĂŒber eine Dauer von 3 Jahren mit einer gĂŒltigen Aufenthaltserlaubnis (kontinuierlich heißt z. B., dass in den letzten drei Jahren nicht mehr als sieben Monate außerhalb Norwegens verbracht worden sein dĂŒrfen)
- Nachweis von mindestens 250 Stunden Unterricht in den Sprachen Norwegisch oder Sami sowie mindestens 50 Stunden Unterricht in Sozial- und Landeskunde bei einer anerkannten UnterrichtsstÀtte
- eine kriminelle Vergangenheit kann zu einer Ablehnung des Antrags oder einer VerschĂ€rfung der Auflagen fĂŒhren
- rechtzeitige Beantragung der Erlaubnis, noch wÀhrend eine befristete Aufenthaltserlaubnis besteht (2-3 Monate vor Fristablauf)

Der Antrag wird ebenfalls online gestellt und man bekommt automatisch einen Termin zugewiesen, um die notwendigen Dokumente bei der Polizei oder der Botschaft einzureichen, wie bei der befristeten Aufenthaltserlaubnis auch. Bei der Beantragung der permanenten Erlaubnis gibt es einige Details zu beachten, die auf der Internetseite des UDI nachgelesen werden können. Ausnahmen von den oben genannten Bedingungen gibt es z. B. fĂŒr Personen, die sich schon viele Jahre in Norwegen aufhalten oder einen norwegischen Partner heiraten. AusfĂŒhrliche Informationen stehen in englischer Sprache unter http://www.udi.no/Norwegian-Directorate-of-Immigration/Central-topics/Permanent-Residence-Permit/How-do-I-apply-for-a-settlement-permit/ zur VerfĂŒgung.

Schule, Ausbildung, Studieren & Arbeiten


SchulabschlĂŒsse und berufliche AbschlĂŒsse und Erfahrungen, die eine Person in Deutschland erworben hat, werden in der Regel in Norwegen anerkannt. Die professionelle Übersetzung von Zeugnissen, Abschlussurkunden und anderen Qualifikationsnachweisen ist hier zielfĂŒhrend.

Um in Norwegen Arbeit zu finden, bietet die Internetseite der norwegischen Arbeitsagentur Orientierung (https://www.nav.no/workinnorway/). Dort kann man nach offenen Stellen suchen oder selbst ein Gesuch aufgeben. Wie in Deutschland auch werden viele Stellen in Zeitungen oder in Online-Stellenbörsen angeboten. Initiativbewerbungen sind ebenfalls möglich, denn auch in Norwegen ist der verdeckte Stellenmarkt groß. Wer erfolgreich eine Arbeit gefunden hat, legt seinem Arbeitgeber ein Formular vor, in dem er das BeschĂ€ftigungsverhĂ€ltnis bestĂ€tigt, dies ist wichtig fĂŒr die Aufenthaltsgenehmigung.

Wer die ersten Schritte fĂŒr die Auswanderung getan hat, indem der Entschluss gefasst und die Aufenthaltsgenehmigung beantragt ist, geht es darum, eine Unterkunft zu finden, den Umzug zu organisieren und die HĂŒrden des Alltags zu meistern.

Immobilien mieten & kaufen



Wer noch keine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung hat, sollte sich ĂŒberlegen, welche Form des Wohnens am Anfang die Beste wĂ€re. Eine Unter- oder Zwischenmiete oder eine WG sind zunĂ€chst mit weniger FormalitĂ€ten und Verpflichtungen verbunden als eine eigene Mietwohnung oder der Kauf von Eigentum. In Norwegen ist der Anteil der Eigentumswohnungen und -hĂ€usern höher als in Deutschland, die Leute kaufen sich eher etwas, als dass sie langfristig mieten. Daher ist der Markt von Mietwohnungen auch etwas kleiner. Es kann also sinnvoll sein, sich fĂŒr den Anfang eine einfache Unterkunft zu nehmen und dann vor Ort Ausschau nach einer schönen Bleibe fĂŒr die Dauer zu halten.

Um eine Unterkunft zu finden, hilft die Suche auf der Internetplattform www.finn.no. Die Erfahrung zeigt, dass sich auf ein nettes Gesuch, vielleicht sogar mit Foto, oft mehrere Vermieter melden, die sich die Arbeit einer eigenen Anzeige sparen wollen. FĂŒr die Vermieter ist es einfacher, sich unter den Suchanzeigen einen sympathischen Mieter auszuwĂ€hlen. Weitere Tipps fĂŒr Wohnungsanzeigen sind lokale Zeitungen oder auch deutsche Immobilienportale.

Wer sich gleich ein GrundstĂŒck kaufen möchte, sollte wissen, dass die Grunderwerbssteuer in Norwegen bei 2,5 % liegt und der Grundbucheintrag ca. 1700 NOK kostet. Hinzu kann evtl. noch eine MaklergebĂŒhr in Höhe von mehreren Prozent des Kaufpreises kommen, je nachdem wie der Kaufvertrag zustande gekommen ist. Die Immobilienpreise liegen im SĂŒden Norwegens und in der NĂ€he von StĂ€dten höher als im Norden und in sehr abgelegenen Regionen.

Der Umzug


Zu der Frage, ob man seinen Hauptwohnsitz im Ausland und einen Nebenwohnsitz in Deutschland haben kann, sei gesagt, dass eine Wohnung oder ein Haus in Deutschland automatisch als Hauptwohnsitz gilt, wenn keine zweite Wohnung an einem anderen Ort innerhalb Deutschlands gemeldet ist. Man kann also den mit einem Wohnsitz verbundenen finanziellen Pflichten (z. B. GEZ) nicht entgehen, wenn man eine Wohnung in Deutschland behĂ€lt. Es wĂ€re auch möglich, den Wohnsitz bei einem Familienmitglied zu melden, wo man vielleicht ĂŒbernachtet, wenn man sich in Deutschland aufhĂ€lt oder wo einige Sachen untergestellt sind. Dann kann man dort noch Post empfangen. Melderechtlich ist dies möglich, die steuerrechtlichen Konsequenzen der Wohnsitznahme sind im Einzelfall zu prĂŒfen.

Wer seinen Umzug professionell mit einer Spedition durchfĂŒhren lassen will, sollte vorher die Preise vergleichen. Die Kosten hĂ€ngen vor allem von der Fahrtstrecke und dem Volumen des Umzugsguts ab. Die Spedition sollte unbedingt Erfahrung mit UmzĂŒgen nach Norwegen haben, damit die Zoll- und MautformalitĂ€ten reibungslos abgewickelt werden. Detaillierte Informationen ĂŒber die Einfuhrbedingungen fĂŒr GĂŒter nach Norwegen sind auf den offiziellen Seiten des Landes unter folgenden Links zu finden:

http://www.toll.no
http://www.visitnorway.com/de/Uber-Norwegen/Wissenswertes-fur-die-Reiseplanung/Vor-der-Reise/Zollbestimmungen/
http://www.norwegen.no/travel/zoll/zollbestimmungen/#.Ur3HA_vz_2o

Auch die Einfuhr von Haustieren unterliegt bestimmten Bedingungen. Privat dĂŒrfen maximal 5 Tiere nach Norwegen eingefĂŒhrt werden. Hunde und Katzen mĂŒssen einen Mikrochip implantiert haben und gegen Tollwut geimpft sein. Eine Wurmkur muss erfolgt und im EU-Heimtierausweis eingetragen sein. Auch viele Pferdebegeisterte zieht es nach Norwegen. Um ein Pferd einfĂŒhren zu dĂŒrfen, muss seine Gesundheit von einem Tierarzt schriftlich bestĂ€tigt sein. Wer sein Auto von Deutschland nach Norwegen mitbringen möchte, muss beachten, dass bei einer unbefristeten Einfuhr 25 % Mehrwertsteuer auf den deutschen Zeitwert des Autos sowie eine einmalige GebĂŒhr fĂ€llig werden. Soll das Auto nur fĂŒr eine Dauer von maximal einem Jahr eingefĂŒhrt werden, werden keine Zoll- und Steuerzahlungen fĂ€llig.

Ist der Umzug erst einmal abgeschlossen und die neue Bleibe bezogen, sollte man sich bei der örtlichen Poststelle registrieren lassen. So kommen auch Briefe an, die nicht korrekt adressiert sind. Deutsche, die dauerhaft im Ausland leben, können sich bei der Deutschen Botschaft des Landes anmelden, mĂŒssen dies jedoch nicht tun.

Lebenshaltungskosten


Die Lebenshaltungskosten sind in Norwegen höher als in Deutschland, auch wenn die individuellen Kosten natĂŒrlich von verschiedensten Faktoren abhĂ€ngen, z. B. ob man ein Auto oder Kinder hat, welche Versicherungen man benötigt und wie man wohnt. Die Löhne dort sind allerdings den Lebenshaltungskosten angepasst, sodass man seinen gewohnten Lebensstandard in der Regel auch nach dem Umzug von Deutschland nach Norwegen beibehalten kann, wenn man eine geeignete Arbeitsstelle gefunden hat. In Norwegen ist es allerdings ĂŒblich, dass in einem Zweipersonenhaushalt auch beide Partner arbeiten. Mit einem Einkommen zwei erwachsene Personen zu versorgen, ist dort viel schwieriger. Was die Kosten fĂŒr KonsumgĂŒter betrifft, sind vor allem Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten sowie das Restaurantessen kostspiegeliger als in Deutschland.

Wer in Norwegen arbeitet, zahlt auch automatisch in die Sozialkassen ein und kann selbst Leistungen wie Arbeitslosengeld, Elternzeitgeld, Kindergeld, Rente und medizinische Hilfe beanspruchen. Es werden in der Regel nur kleine Eigenanteile fĂ€llig, denn die höheren Steuern, die in Norwegen auf viele GĂŒter und Dienstleistungen erhoben werden, finanzieren das vorbildliche soziale Sicherungssystem des Landes. Die unmittelbaren Familienangehörigen, also Ehepartner und Kinder, profitieren ebenfalls von den Leistungen, wenn man selbst durch die Arbeit in die Kassen einzahlt.

Ein guter Tipp fĂŒr alle Fragen des Alltags ist das Portal www.justlanded.com. Auf dieser Plattform können sich Auswanderer zu allen wichtigen Fragen austauschen und es werden eine Menge aktueller Informationen geboten.

Ein Schulabschluss und eine Berufsausbildung sowie eine gute Verbindung zu Familie und Freunden sind die beste Grundlage dafĂŒr, in Norwegen Arbeit zu finden, seinen Alltag zu meistern und fĂŒr sich selbst sorgen zu können. Wenn nicht alles nach Plan lĂ€uft, man arbeitslos wird, einen Unfall hatte oder sich von seinem Ehepartner trennt, hilft der Staat in Norwegen seinen Bewohnern. Auch wenn Familienzuwachs erwartet wird oder die Kinder einen Kindergarten und die Schule besuchen, bekommt man staatliche UnterstĂŒtzung in Form von Sozialleistungen.

Die Sozialleistungen werden durch Steuern und Abgaben finanziert, die den Arbeitnehmern monatlich vom Gehalt abgezogen werden. Die Höhe des Abzugs betrĂ€gt 7,8% vom Bruttoeinkommen. Die Arbeitgeber tragen ebenfalls einen Anteil bei. Wer kein Einkommen hat, muss nicht in die Kasse einzahlen, kann aber trotzdem Leistungen in Anspruch nehmen, es gilt also das SolidaritĂ€tsprinzip. Im Prinzip ist jede Person, die in Norwegen lebt und/oder arbeitet, automatisch in der folketrygden versichert. Etwas anders ist es, wenn man von seinem deutschen Arbeitgeber nur fĂŒr eine bestimmte Zeit entsendet ist, um in Norwegen zu arbeiten. Wer unbefristet oder befristet ausschließlich in Norwegen arbeitet, ist auf jeden Fall in das soziale Sicherungssystem eingeschlossen. Wird die Arbeit abwechselnd in Deutschland und in Norwegen ausgeĂŒbt, ist die Rechtslage komplizierter, meist wird der Arbeitgeber sich dann fĂŒr seinen Mitarbeiter um die Angelegenheiten der Sozialversicherung kĂŒmmern. Wie viel Arbeitslosengeld, Krankengeld und Rente jemand erhĂ€lt, ist grundsĂ€tzlich von seinem Einkommen und seiner BeschĂ€ftigungsdauer abhĂ€ngig.

Anspruch auf Arbeitslosengeld


Einen Anspruch auf Arbeitslosengeld erwirbt man, indem man in Norwegen steuerpflichtig gearbeitet und einen Mindestsatz verdient hat, der jĂ€hrlich angepasst wird. Wer dafĂŒr noch nicht lange genug in Norwegen ist, kann in Deutschland beantragen, dort erworbene AnsprĂŒche zu berĂŒcksichtigen und das "deutsche" Arbeitslosengeld in Norwegen ausbezahlt zu bekommen. Wichtig ist es, sich beim Arbeitsamt zu melden, wenn man arbeitslos ist. Dort bekommt man die AntrĂ€ge auf die ArbeitslosenunterstĂŒtzung und Hilfe bei der Stellensuche. Manchmal weist das Amt einem auch Arbeit zu, genau wie in Deutschland. Die Höhe des Arbeitslosengeldes bemisst sich nach dem vorherigen Einkommen, es gibt jedoch eine Auszahlungsgrenze, die nicht sehr ĂŒppig bemessen ist.

Krankenversicherung & Pflegeversicherung



Alle in Norwegen lebenden Personen haben Anspruch auf eine Ă€rztliche Behandlung und einen Krankenhausaufenthalt. Man muss sich nicht bei einer Krankenkasse anmelden, die Krankenversicherung gilt automatisch fĂŒr alle in Norwegen lebenden Personen.

Bei Arztbesuchen wird immer ein Eigenanteil fĂ€llig, vor allem bei Zahnarztbesuchen kann er sogar den vollen Behandlungspreis umfassen. Die PraxisgebĂŒhr betrĂ€gt mindestens 15 Euro, außerhalb der regulĂ€ren Öffnungszeiten sowie bei FachĂ€rzten kann die GebĂŒhr noch deutlich höher liegen. Medikamente mĂŒssen auch immer mindestens zu einem drittel selbst bezahlt werden, das gleiche gilt fĂŒr Brillen. Von allen Zuzahlungen befreit sind Kinder unter 7 Jahren sowie Schwangere. FĂŒr einen Krankenhausaufenthalt ĂŒber mehrere Tage wird keine Zuzahlung fĂ€llig. Erreicht man durch die Zahlung der Eigenanteile einen Betrag von ca. 1500 NOK, wird man den Rest des Jahres von Zuzahlungen befreit. Dies schĂŒtzt chronisch kranke Menschen vor zu hohen finanziellen Belastungen. Zu beachten ist die Hausarztregelung. Wer krank ist, besucht zunĂ€chst seinen Hausarzt, der dann ggf. eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellt. Wer direkt zu einem Facharzt geht, muss einen höheren Eigenanteil zahlen.

Krankengeld erhÀlt der Arbeitnehmer zunÀchst vom Arbeitgeber, danach wird das Geld aus der Sozialversicherung gezahlt. Es bemisst sich nach der Einkommenshöhe.

Pflegeleistungen sind durch die Sozialversicherung mit abgedeckt, sobald eine HilfsbedĂŒrftigkeit vorliegt, vergleichbar mit den "Pflegestufen" in Deutschland. FĂŒr eine Grundversorgung muss also keine spezielle Pflegeversicherung abgeschlossen werden. Eine stationĂ€re Pflege ist kostenlos möglich, wenn KapazitĂ€ten frei sind, was nicht immer der Fall ist. Hilfsmittel fĂŒr PflegebedĂŒrftige und chronisch Kranke werden gezahlt.

Privatversicherungen


FĂŒr den Abschluss von Kfz-, Haftpflicht-, Hausrat- und Unfallversicherungen ist jeder selbst verantwortlich und kann frei zwischen den Anbietern wĂ€hlen. In Norwegen bekommt man Rabatt, wenn man mehrere Versicherungen bei einem Anbieter abschließt. Wer einem Automobilclub oder einem Berufsverband beitritt, kann darĂŒber gĂŒnstige Versicherungen abschließen.

Schwangerschaft & Kinder


Frauen, die ein Kind erwarten, können 12 Vorsorgeuntersuchungen kostenlos in Anspruch nehmen. Bei einer komplizierten Schwangerschaft wird die komplette Betreuung und Behandlung ĂŒbernommen. Die Hebamme spielt wĂ€hrend der Schwangerschaft eine wichtige Rolle, sie fĂŒhrt die meisten der Untersuchungen durch.

Mutterschaftsgeld bekommen Frauen, die in den Monaten vor der Geburt einer Arbeit nachgegangen sind. Sie bekommen entweder fĂŒr 42 Wochen das volle Entgelt oder fĂŒr 52 Wochen 80 % des Entgeltes der letzten TĂ€tigkeit. Es ist vorgesehen, dass der Vater des Kindes davon 4 Wochen als Erziehungsurlaub in Anspruch nimmt. Wer vor der Geburt nicht gearbeitet hat, bekommt auf Antrag einen einmaligen Zuschuss. Alleinerziehende erhalten zur finanziellen UnterstĂŒtzung Kindergeld fĂŒr ein Kind mehr, als sie tatsĂ€chlich haben. 3 Jahre lang kann man zudem eine weitere einkommensabhĂ€ngige UnterstĂŒtzung beantragen und bekommt zusĂ€tzlich ZuschĂŒsse fĂŒr Betreuungskosten.

KinderkrippenplĂ€tze werden vom Staat großzĂŒgig bezuschusst, die QualitĂ€t der Betreuung dort ist sehr gut.

Rente


Das Rentenalter beginnt in Norwegen mit 67 Jahren. Es gibt eine Mindestrente, die an alle ausgezahlt wird. Rentenanspruch erhĂ€lt man in Norwegen, nachdem man mindestens 3 Jahre lang dort gearbeitet und Sozialabgaben gezahlt hat. RentenansprĂŒche, die man in Deutschland erworben hat, bleiben bestehen und werden vom deutschen Staat bezahlt. Andersrum gilt dies genauso. Kehrt man also nach einigen Jahren in Norwegen nach Deutschland zurĂŒck, kann man in Deutschland Rente des norwegischen Staates beziehen, wenn man denn AnsprĂŒche darauf erarbeitet hat. Diese Regelung gilt fĂŒr alle EU-BĂŒrger.

Kleiner Exkurs zum norwegischen Schulsystem


Wie eingangs schon angedeutet ist eine gute Schulbildung wichtig, um spÀter eine finanziell auskömmliche Arbeit zu finden. Norwegen hat eines der besten Schulsysteme der Welt, wie die bekannte PISA-Studie schon mehrmals bestÀtigt hat. Wer zusammen mit seinen Kindern auswandern möchte oder in Norwegen Kinder bekommt, kann sich also sicher sein, dass sie in den dortigen Schulen gut aufgehoben sind. Zudem ist der Schulbesuch Teil des Sozialsystems und somit völlig kostenfrei.

Die Schulpflicht dauert in Norwegen 10 Jahre, mit 6 Jahren werden Kinder eingeschult. Die Grunnskole besteht aus der Primarstufe und der Sekundarstufe, so dass die Kinder bis zur Vollendung der Schulpflicht in der Regel nur eine Schule besuchen. Die PflichtfĂ€cher sind die gleichen wie in Deutschland, die WahlfĂ€cher unterscheiden sich von Schule zu Schule. FĂŒr die JĂŒngeren wird Nachmittagsbetreuung angeboten. Kinder mit Behinderungen werden nach Möglichkeit in die Regelschule integriert und bekommen dafĂŒr eine Betreuung zur Seite gestellt.

Die VideregĂ„ende skole, die weiterfĂŒhrende Schule, fĂŒhrt zum Abitur oder zum Abschluss einer beruflichen Lehre mit Gesellenbrief. SchĂŒler können aus einer Vielzahl von FĂ€chern auswĂ€hlen, die ihren Neigungen entsprechen. Sie belegen darin Grund- und Aufbaukurse, die sie auf ihren spĂ€teren Beruf vorbereiten und die zudem studienqualifizierend sein können. In Norwegen ist die Auswahl der SchulfĂ€cher also viel entscheidender fĂŒr das spĂ€tere Studium oder den praktischen Beruf als in Deutschland, wo hauptsĂ€chlich die Durchschnittsnote zĂ€hlt. In Oslo gibt es eine deutsche Schule, die einen Kindergarten, Grundschule, Mittelstufe sowie die Oberstufe anbietet. ZusĂ€tzlich gibt es eine Ganztagsbetreuung.

Norwegen hat eines der besten und umfangreichsten sozialen Sicherungssysteme der Welt, daher kann hier nur ein kurzer Überblick gegeben werden. Daher sei zum Schluss noch der sehr nĂŒtzliche Ratgeber des Norwegischen Ministeriums fĂŒr Arbeit und Soziales empfohlen, der gezielt deutsche BĂŒrger ĂŒber Leben und Arbeiten in Norwegen informiert: https://www.nav.no/Tysk/_attachment/805360437?=true&_ts=12baf418440.

Jetzt weißt du bescheid ĂŒber die Planung der Auswanderung, die Aufenthaltsbestimmungen, weißt wie man eine Wohnung findet und welche Versicherungen man braucht. Nun liegt es an dir, pack die Koffer - wir sehen uns in Norwegen!